Die 5-Tage-Gruppe befindet sich im Geschwister-Scholl-Heim. Sie bietet 4 Kindern und Jugendlichen eine teilstationäre Hilfe in Form einer Heimgruppe. Das pädagogisch qualifizierte Team (Erzieherinnen, ein Sozialpädagoge, eine Heilpädagogin) arbeitet unter Anleitung der erfahrenen Gruppenleitung mit den Kindern und Jugendlichen.

Es handelt sich um eine teilstationäre Unterbringungsform auf der rechtlichen Grundlage von: § 27 SGB VIII in Verbindung mit § 36 SGB VIII; § 34 SGB VIII;

§ 35a SGB VIII Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche im Einzelfall mit individueller Erziehungsplanung und Zusatzleistungen.

Zielgruppe

  • Jungen und Mädchen im Alter von 6 – 16 Jahren mit

− Entwicklungs-,Verhaltens- und Beziehungsstörungen
−Vermeidungsverhalten in verschiedener Form (von Aggressivität bis Depression)
− nicht altersgemäßem Umgang mit Normen, Regeln, moralischen Instanzen

  • Eltern, Pflege- und Adoptivfamilien, die vorübergehend professionelle Hilfe benötigen, um Probleme mit den Kindern/Jugendlichen aufzuarbeiten (primär Familien aus der näheren Umgebung, da räumliche Nähe die Zusammenarbeit erleichtert).

Aufnahmekriterien

  • Ausgeprägte Beziehungsproblematik in der Familie
  • Stark belastete Familienverhältnisse
  • Gravierende Mängel in der elterlichen Erziehungskompetenz
  • Schulschwierigkeiten/-verweigerungshaltung
  • Unterbringung ist zeitlich begrenzt

Ziele

Vorübergehende Übernahme der Betreuung, um die Familie zu entlasten. Das kontinuierliche Einbeziehen des Elternhauses in den Erziehungsprozess soll die Familienbeziehung neu stärken, sodass jedes Familienmitglied seinen Platz innerhalb der Familie finden kann.

  • Wertschätzen jedes Kindes auch in seinen Schwächen, um die Persönlichkeit sowie das Selbstwertgefühl zu stärken und zu fördern
  • Steigern der Konzentrationsfähigkeit und Frustrationstoleranz
  • Entwickeln konstruktiver Verhaltensstrategien und -muster bei der Auseinandersetzung mit Schwierigkeiten/Konflikten und deren Bewältigung
  • Aufarbeiten der Ursachen schulischer Defizite, danach deren Bearbeitung, um den Spaß an der/die Befriedigung durch die Schule wieder zu ermöglichen
  • Wecken des Interesses an individueller Freizeitgestaltung
  • Einüben lebenspraktischer Fertigkeiten
  • Strukturieren des Tagesablaufs
  • Schaffen von Ritualen, die durch ihren Inhalt zum Bedürfnis werden (das fördert Ausdauer, Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein).

Teilziele umfassen:

  • Emotionale und soziale Stabilisierung der Kinder und Jugendlichen
  • Erlernen grundlegender sozialer Normen/Regeln mit schrittweiser Verinnerlichung
  • Entwickeln realistischer und erreichbarer Lebensperspektiven
  • Gezieltes Fördern von Begabungen und Interessen
  • Erleben eigener Grenzen
  • Stärken der Frustrationstoleranz und Entwickeln von Durchhaltevermögen
  • Regelmäßiger Schulbesuch, Ziel ist ein leistungsgemäßer Abschluss
  • Intensive Zusammenarbeit mit dem Elternhaus
  • Vor- und Nachbereitung der Wochenenden, bzw. schulfreien Zeit im Elternhaus.

Pädagogisches Konzept

Grundlagen der pädagogischen Arbeit sind:

• das Angebot, handelnd eigene Fähigkeiten und Stärken zu entdecken, Erfolgserlebnisse zu erleben, die das Selbstwertgefühl stärken

• ein klar strukturierter und ritualisierter Tages- und Wochenablauf sowie die demokratische Beteiligung der Kinder/Jugendlichen an Planung, Gestaltung, Reflexion

• das Heranführen an eine sinnvolle Freizeitgestaltung

• die Integration in das öffentliche Leben der Stadt, z.B. durch Angebote von Vereinen und Sportgemeinschaften, Teilnahme an regionalen Aktivitäten. Im Heim selbst gibt es die Arbeitsgemeinschaften wie Volleyball, Breakdance, Kochen oder Basteln

• das Fördern der positiven Persönlichkeitsentwicklung (u.a. durch Erkennen/Erarbeiten eigener Stärken und Grenzen sowie durch handlungs- und erfahrungsorientiertes Lernen

• die Förderung der sozial-emotionalen Entwicklung. Etwa durch das Erfahren von Klarheit, Grenzsetzung, Geduld und Nähe sowie die Anleitung zu sozialkonformem Umgang mit Aggression und Frustration

• die schulische- und berufliche- Kompetenzförderung. Sie erfolgt u.a. in enger Zusammenarbeit mit den einzelnen Schulen sowie durch begleitende Maßnahmen wie individuelle Förderprogramme bei Lernschwächen. Bei Kindern und Jugendlichen, die erhebliche Schulprobleme haben, besteht die Möglichkeit, sie in der angegliederten lerntherapeutischen Gruppe zu beschulen (Zusatzleistung, Details s. unten). Ziel ist die Integration in eine Regelschule.

Wir bauen tragfähige Beziehungen und Bindungen auf – bei akzeptierender, nicht konkurrierender Haltung zur Herkunftsfamilie. In der Arbeit mit dem Familiensystem entwickeln wir mit diesem und/oder dem Kind/Jugendlichen Lösungsstrategien.

  • Der klar strukturierte, ritualisierte Gruppenalltag
  • Bietet Sicherheit, Raum und Zeit für Verständnis, Wertschätzung, Toleranz und Klärung, sowie die Beteiligung der Kinder und Jugendlichen
  • Sorgt für das Gleichgewicht von Ruhe und Aktivität
  • Regelt verbindlich Ämter und Gruppendienste jedes Einzelnen
  • Ermöglicht regelmäßige, geplante und verbindliche Freizeitangebote sowie gemeinsam organisierte Feste und Feiern.

Die individuelle Förderung basiert auf einer ressourcenorientierten Erziehungsplanung mit halbjähriger Überprüfung. Sie umfasst u.a.:

  • Das Training lebenspraktischer Fertigkeiten
  • Nach Hilfeplanung Diagnostik durch den Heilpädagogischen Dienst
  • Interne oder externe Therapie
  • Individuelle Erziehungsplanung mit zusätzlichen Leistungen bei § 35a

Den Kindern und Jugendlichen stehen bei Bedarf die Psychologen und Therapeuten des Begleitenden Dienstes des Abert-Schweitzer-Familienwerks Sachsen-Anhalt zur Seite. Dabei geht es um spezifische Probleme wie ADS, ADHS, Teilleistungsstörungen, Trauma-Bewältigung oder Biographiearbeit. Weitere mögliche Zusatzleistungen umfassen spezielle Gruppenarbeit (soziale Kompetenz, Antiaggressionstraining) oder die Arbeit mit sexuell übergriffigen Jugendlichen.