Das Betreute Wohnen ist die letzte Stufe der Verselbständigung und der Vorbereitung auf ein selbstständiges Leben im eigenen Wohnraum. In 6 vom Träger angemieteten Wohnungen in Wohngebieten im Stadtzentrum Zerbst trainieren die Jugendlichen das eigenständige Wohnen. Zwei Sozialpädagoginnen unterstützen sie. Aufnahmekapazität: 8 Jugendliche.

Zielgruppe

Das Betreute Wohnen ist eine weiterführende Form der erzieherischen Hilfe für junge Menschen, die in unseren Einrichtungen wohnen oder direkt von Jugendämtern an uns vermittelt werden. Es handelt sich um eine vollstationäre Unterbringungsform auf der rechtlichen Grundlage von:
§ 27 SGB VIII in Verbindung mit § 36 SGB VIII; § 34 SGB VIII; § 41 SGB VIII in Verbindung mit § 34.

Aufnahme finden Jungendliche im Alter von 16 – 21 Jahren mit

  • Entwicklungs-, Verhaltens und Beziehungsstörungen
  • Vermeidungsverhalten in verschiedener Form (von Aggressivität bis Depression)
  • Auffälligkeiten im Sozialverhalten
  • Nicht altersgemäßem Umgang mit Normen, Regeln, moralischen Instanzen
  • Bedarf der Unterstützung beim Leben in eigenem Wohnraum (Nachbetreuung)

Jugendliche, die in Einrichtungen der Jugendhilfe gelebt haben und sich auf das selbstständige Wohnen/Leben vorbereiten wollen, sollten ein hohes Maß an Selbständigkeit und Verlässlichkeit mitbringen. Eine direkte externe Aufnahme ist im Einzelfall nach Prüfung der Voraussetzungen möglich. Die Aufnahme ist ausgeschlossen, wenn die notwendigen Voraussetzungen im Bereich selbständige Lebensführung, Zuverlässigkeit und Schul-/Ausbildungsbesuch nicht erfüllt werden.

Ziele

Hilfe, Anleitung und Unterstützung bei der Vorbereitung auf das eigenständige Leben im eigenen Wohnraum. Stabilisieren und Stärken des Selbstwertgefühls, Integration in den Sozialraum und Verbessern des Sozialverhaltens. Vorbereiten der Entlassung in eigenen Wohnraum. Teilziele:

  • Emotionale und soziale Stabilisierung der Jugendlichen
  • Festigen der erlernten grundlegenden sozialen Normen und Regeln
  • Entwickeln realistischer und erreichbarer Lebensperspektiven
  • Zusammenarbeit mit dem Elternhaus
  • Aneignen lebenspraktischer Fähigkeiten und Fertigkeiten
  • Erkennen der eigenen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Stärken
  • Gezieltes Fördern von Begabungen und Interessen
  • Erleben eigener Grenzen
  • Stärken der Frustrationstoleranz und Entwickeln des Durchhaltevermögens
  • Regelmäßiger Schul-/Ausbildungsbesuch, Ziel ist ein leistungsgemäßer Abschluss
  • Berufsberatung, -findung und -vorbereitung
  • Wohnungssuche, Klären der materiellen/finanziellen Absicherung nach Hilfebeendigung.

Pädagogisches Konzept

Das Betreute Wohnen dient der intensiven Vorbereitung auf das selbständige Leben nach der Heimentlassung. Die Jugendlichen lernen, Verantwortung für ihr gesamtes Handeln zu übernehmen. Die Mitarbeiter agieren als Berater, sie bieten keine fertigen Lösungen an. Pädagogische Hauptaufgabe ist es, die Jugendlichen sozialpädagogisch zu begleiten und zu unterstützen, ihnen Hilfe zur Emanzipation zu geben. Die MitarbeiterInnen arbeiten mit den Stärken der jungen Menschen, helfen diesen, Selbst- und Verantwortungsbewusstsein zu entwickeln. Weitere pädagogische Ziele:

• Entwickeln der Kommunikations- und sozialen Kontaktfähigkeit

• lernen, mit eigenen Grenzen/Stärken zu leben, Lebens-/Weltorientierung erlangen

• persönliche Stärken entwickeln, Verhaltens- und Erlebnisstörungen ausgleichen

• Erreichen eines Schul-/Berufsschulabschluss’ bzw. Aufnahme einer Ausbildung oder einer berufsorientierenden Maßnahme

• Strukturieren des Alltags: Jeder Mitarbeiter betreut 4 Jugendliche. Arbeitseinsatz je nach individuellem Bedarf; er ist anfangs (bzw. in Konfliktsituationen) üblicherweise sehr intensiv und sinkt nach der Eingewöhnung. Wesentliche Voraussetzung ist das vertrauensvolle Miteinander zwischen Betreuern und Jugendlichen. Dank flexibler Arbeitszeiten stehen die KollegInnen bei Bedarf und in Krisensituationen jederzeit zur Verfügung. Im Krisenfall ist auch das Stammhaus immer erreichbar.

• Sport in örtlichen Vereinen zur Stabilisierung des körperlichen Befindens, Stärkung des Selbstwertgefühls

• Fördern des bewussten Umgangs mit den zur Verfügung stehenden Geldern und deren Abrechnung, mit Bankwegen, Kontoeröffnung/-führung

• Steuern der Verselbständigung, etwa Trainieren der Verantwortungsübernahme, selbständige Ämtergänge

• demokratische Beteiligung der Jugendlichen an Planung, Gestaltung und Reflexion

• Planen von Freizeitaktivitäten

• individuelle Förderung, u.a. durch ressourcenorientierte Erziehungsplanung mit halbjähriger Überprüfung, Training lebenspraktischer Fertigkeiten, interne oder externe Therapie

• Fördern der positiven Persönlichkeitsentwicklung, u.a. Orientierungshilfe, wo der/die Jugendliche in seiner/ihrer Entwicklung steht, Erkennen/Erarbeiten eigener Stärken und Grenzen, auch durch handlungs- und erfahrungsorientiertes Lernen

• Förderung der sozial-emotionalen Entwicklung, z.B. Erfahren von Klarheit, Grenzsetzung, Geduld und Nähe durch die Mitarbeiter, Anleitung zu sozialkonformem Umgang mit Aggression und Frustration

• schulische-/berufliche Kompetenzförderung. Sie erfolgt u.a. in enger Zusammenarbeit mit den einzelnen Schulen/Ausbildungsstätten sowie durch begleitende Maßnahmen bei Lernschwächen oder Defiziten. Bei erheblichen schulischen Problemen, erarbeiten wir mit Schule, Ausbildungsstätte und Arbeitsamt individuelle Lösungen.

Den Jugendlichen stehen bei Bedarf die Psychologen und Therapeuten des Begleitenden Dienstes des Abert-Schweitzer-Familienwerks Sachsen-Anhalt zur Seite (keine Regelleistung). Dabei geht es um spezifische Probleme wie ADS, ADHS, Teilleistungsstörungen, Trauma-Bewältigung oder Biographiearbeit. Weitere mögliche Zusatzleistungen umfassen spezielle Gruppenarbeit (soziale Kompetenz, Antiaggressionstraining) oder die Arbeit mit sexuell übergriffigen Jugendlichen.