Dieses Projekt befindet sich im Zentrum von Zerbst in einer der Geschäftsstraßen und in unmittelbarer Nachbarschaft des Stammhauses. Es bietet 8 Plätze für die Eltern-Kind-Arbeit.

Zielgruppe

(Werdende) Eltern mit Kindern im Alter von 0 – 6 Jahren, deren Lebenssituation durch hohe Belastungen und vielfältige Risiken gekennzeichnet ist. Ihrer Aufgabe, möglichst gute Entwicklungsbedingungen für ihre Kinder zu schaffen, sind viele dieser Eltern nicht gewachsen. Elternschaft ist jedoch zu einem großen Teil erlernbar. Leider haben Eltern mit problematischem Erziehungsverhalten (Gewalt oder Gleichgültigkeit) oft nicht gelernt, das eigene Verhalten in Frage zu stellen und zu überdenken sowie Beratung und Fortbildung zu nutzen. Wir verstehen uns als präventive Hilfe gerade in den Fällen, in denen es darum geht Auffälligkeiten in der Erziehungstüchtigkeit abzubauen. Das kann helfen, die letzte Konsequenz, die Herausnahme der Kinder aus dem Elternhaus, zu vermeiden. Ausgerichtet an den zugrunde liegenden elterlichen Problemen, wollen wir in partnerschaftlicher Zusammenarbeit einen positiven Erziehungsstil entwickeln und festigen. Wichtig ist uns ein vertrauensvoller, von gegenseitiger Wertschätzung geprägter Umgang der klienten und ressourcenorientiert ist. Die unmittelbare Arbeit in der Eltern-Kind-Konstellation ist Grundlage für Effektivität und Praxisnähe. Am Anfang steht ein umfassendes anamnestisches Beratungsgespräch mit dem Erfassen der Bedürfnisse und Zielvorstellungen. Im Rahmen einer gegenseitigen Vereinbarung werden Schritte besprochen, die zu einer gelingenden Alltagsbewältigung und höheren Erziehungstüchtigkeit führen.

Es handelt sich um ein ambulantes Angebot auf der Grundlage von § 16, § 27 SGB VIII in Verbindung mit § 31 SGB VIII als Ergänzung zur SPFH (Kommentar S.477 Wiesner 3. Auflage)

Zielgruppe

  • Eltern mit erheblichen Problemen und ungünstigem Erziehungsverhalten, verbunden mit drohender Kindeswohlgefährdung
  • Eltern mit mangelnder Erfahrung zu Sicherheit, Bindung, Wertschätzung
  • Eltern die betroffen sind von Langzeitarbeitslosigkeit und/oder sozialem Ausschluss und nicht mehr in der Lage sind, auf die Signale ihrer Babys/Kleinkinder zu reagieren.

Aufnahmekriterien

  • Ausgeprägte Erziehungsproblematik in der Familie
  • Stark belastete Familienverhältnisse
  • Gravierende Mängel in der Erziehungskompetenz
  • Bereitschaft zum Abschluss einer Vereinbarung

Eine Teilnahme ist nicht/nicht länger möglich bei

  • Mangelnder Mitarbeit, unregelmäßiger Teilnahme, Nichteinhalten der festgelegten Umgangsregeln, wenn sich dadurch die festgelegten Ziele nicht mehr erreicht lassen
  • Akuter Kindeswohlgefährdung

Ziele

Hilfe, Anleitung und Unterstützung beim Abbau ungünstigen elterlichen Erziehungsverhaltens. Die individuelle Arbeit sowie die in einer Kleingruppe soll den Eltern dabei helfen, konsequenter, freundlicher, fairer, hilfreicher und akzeptierender mit dem Kind umzugehen. So lassen sich problematische kindliche Entwicklungen weitgehend vermeiden. Die Eltern haben die Chance, zugrunde liegende eigene Probleme zu erkennen und durch wirkungsvolle weitergehende Hilfe (individuelle Beratung, Therapieangebote) zu bearbeiten. Teilziele:

  • Schaffen einer vertrauensvollen Basis für die Zusammenarbeit
  • Erarbeiten von Regeln im Umgang miteinander (Respekt, Vertraulichkeit etc.)
  • Erfassen der Problemsituation im Kontext zwischen Erziehungsstil und eigenem Erleben
  • Entwickeln realistischer, erreichbarer Ziele, ausgerichtet an den Bedürfnissen der Klienten
  • Bewertung der emotionalen, sozialen und kognitiven Fähigkeiten der Kinder
  • Die Teilnehmer befähigen, sich ihrer eigenen Werte bewusst zu werden (Vorbildfunktion), die familiäre Kommunikation/Kooperation zu verbessern, den eigenen Fähigkeiten zu vertrauen, Verantwortung zu zeigen und konsequent zu erziehen
  • Stärken der positiven Seiten des Kindes
  • Erlangen kompetenter Handlungsstrategien im Umgang mit problematischem Verhalten des Kindes
  • Wissensvermittlung (Kindesentwicklung, Störungsbilder, pädagogische Konzepte)
  • Erarbeiten eigener Erziehungsregeln, Einüben und Festigen derselben
  • Die Eltern lernen, das Selbstwertgefühl ihrer Kinder zu stützen und alternative Handlungsmuster einzuführen

Pädagogisches Konzept

Unser Ansatz des „Empowerment“ soll positiv verstärkend Ressourcen fördern, Selbstbestimmung und Lebensautonomie vermitteln. Wir geben den Eltern vor allem positiven Zuspruch, denn wir wollen das eigene Handeln der Eltern stärken und sie dazu anregen, Verantwortung zu übernehmen. Für die Eltern wächst so fortlaufend das Selbstbewusstsein, das Vertrauen in die eigene Person und die Überzeugung, die individuelle und familiäre Situation gut und konstruktiv bewältigen zu können. Problematische Erziehungssituationen erfolgreich zu bewältigen, fördert das allgemeine Vertrauen in die eigenen Kompetenzen. Wir ermutigen die Eltern ausdrücklich, alles zu intensivieren, was die Beziehung zu ihren Kindern verbessert und ihnen selbst ein gutes Gefühl gibt. In der unmittelbaren Situation mit dem Kind sollen sie lernen ihr Wirken zu reflektieren. Sie können verschiedene Blickwinkel und neue Ansatzpunkte ausprobieren, um mit einer Situation anders umzugehen.

Das 4-Schritte-Modell

Mobilisierung: Sensibilisierung der Eltern im Hinblick auf ihre Stärken, die Beziehung zu ihren Kindern und ihrem familiären Alltag. Erstes Fixieren eigener Möglichkeiten und Veränderungspotentiale.

Verstärkungsphase: Erste Erfolge im Umgang mit den Kindern sowie hinsichtlich der Familie und der kindbezogenen Umwelt werden reflektiert und vorbehaltlos bekräftigt. Diese Entwicklungsstufe bedarf der intensiven Begleitung.

Festigungsphase: Die Eltern lernen, ihre neue Sichtweise und neue Kompetenzen zu verinnerlichen. Sie vertrauen verstärkt auf ihre eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten, entwickeln sie im Familienalltag und im Umgang mit ihren Kindern weiter.

Praxisphase: Die gewonnen Kompetenzen werden zunehmend selbstständig im Erziehungsalltag praktiziert. Das Selbstbild der Eltern ist stabiler geworden. Sie sind überzeugter von der eigenen Erziehungs- und Kommunikationsfähigkeit.

Die Hilfe ist für die Dauer von 18 Monaten geplant. Es gibt zwei Treffen pro Woche in der Kleingruppe (je 3 Stunden) und 14-tägig ein individuelles Reflektionsgespräch (2 Stunden). Hinzu kommt zweimal im Monat die Elternschule. Der klar strukturierte und ritualisierte Ablauf bietet die nötige Sicherheit, Raum und Zeit für Verständnis, Wertschätzung, Toleranz und Klärung sowie die Beteiligung der Eltern und Kinder. In Krisensituationen oder Notlagen sind jederzeit zusätzliche Beratungstermine möglich.

Methoden auf Ebene der Einzelfallhilfe (Focus: Bindung, Beziehung, soziale Integration, Alltagspraxis):

  • Erstdiagnostik – lösungs- und ressourcenorientiert
  • Beratung, Wissensvermittlung, Anleitung
  • Interaktionsbeobachtung und -anleitung
  • Kindsbezogene Alltagsbegleitung
  • Modellhaftes Lernen (Spielen, Basteln, sportliche Betätigung)
  • Prozessbegleitende Reflektion/Prozessdiagnostik

Methoden auf der Ebene der Gruppenarbeit (Focus: Stärken der erzieherischen Kompetenz der Eltern und der sozialen Kompetenz der Kinder)

  • Kleingruppenarbeit (Austausch, Rollenspiele, positive Bestärkung)
  • Elternschule (Vorträge, Diskussionsrunden)
  • Thematische Veranstaltungen (Feste, Sport, Unternehmungen)

Methoden auf der Ebene der Netzwerkarbeit

  • Vernetzung im Sozialraum/Kontakt zu Beratungsstellen, Hilfsorganisationen, Selbsthilfegruppen, Ämtern
  • Hilfe bei speziellen Problemlagen (Fachärzte, KJP, Therapeuten)
  • Integration in den Sozialraum zur langfristigen Stabilisierung

Wir beteiligen die Eltern an Planung, Gestaltung und Reflexion. Alle Eltern legen gemeinsam mit den Betreuern Inhalte und Abläufe der Arbeit fest. Ziel ist es, den Eltern die Rolle des Handelns zu eröffnen, ihnen zu verdeutlichen, dass sie selber für den Erfolg der Hilfe verantwortlich sind. Eltern erhalten genau soviel Unterstutzung, wie sie benötigen. Je nach Bedürfnissen und Prioritäten erfolgt eine unterschiedliche Schwerpunktsetzung.

Wir etablieren ein Netzwerk aus Fachkräften und Institutionen, die sich mit den von uns zu bearbeitenden Problemlagen auseinandersetzen (z.B. SPFH, Frühförderstelle, Kindergärten, Kinderarzt, Hebamme, Tagesgruppe und Jugendamt). Auch die Fachkräfte des Begleitenden Dienstes des Albert-Schweitzer-Familienwerkes Sachsen-Anhalt stehen uns zur Seite – speziell bei Kindern mit ADS, ADHS und sexuellen Auffälligkeiten.